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Runtastic Road Bike Pro und das Nexus 4

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Als Fahrradtacho an meinem Rennrad verwende ich ein Android-Handy (Nexus 4) in Verbindung mit der App Runtastic Road Bike in der Pro-Version. Die Befestigung am Rad könnt Ihr hier nachlesen.

Die App verwende ich regelmäßig seit ca. 6 Monaten und habe bisher ca. 4800km (184h) damit aufgezeichnet.

Ich habe bisher keine andere Fahrradcomputer-App verwendet und kann somit keinen Vergleich anstellen, möchte Euch allerdings meine Erfahrungen bzgl. der App mitteilen.

Zuerst einmal die Unterschiede Runtastic/Runtastic Road Bike (beide vom Axel-Springer-Verlag): Die App Runtastic ist eine allgemeine Sport-App, Runtastic Road Bike ist mehr auf das Fahrradfahren zugeschnitten. Vom Design sind sie ein wenig unterschiedlich und die Road Bike kann einen Wert mehr in der Tacho-Anzeige darstellen. Ansonsten tun sie sich nicht viel; Welche man verwendet ist Geschmacksache, bis auf einen Punkt: Road Bike kann in der Pro-Variante (4,99€) Offline-Karten herunterladen, auf die dann während der Fahrt zugegriffen werden kann; Damit könnt Ihr Euer mobiles Datenvolumen schonen.

Runtastic zeigt Euch nicht nur aktuelle Werte wie Geschwindigkeit usw. an, sondern speichert auch Eure Tour. Diese kann nach der Fahrt analysiert werden. Die Tour kann auch auf www.runtastic.de hochgeladen werden und dort könnt Ihr Eure sportlichen Leistungen genau analysieren.

  • Stabilität
    Die App läuft auf meinem Nexus 4 sehr stabil, ich hatte bisher keine Abstürze. Auch die Synchronisation der Daten mit www.runtastic.de funktionierte bisher immer einwandfrei.
  • GPS
    Während der ganzen Zeit einmal für einen km ausgefallen.
  • Genauigkeit
    Die Genauigkeit der App habe ich nicht bestimmt, wüsste auch mit Hausmitteln gar nicht wie. Das Netz spricht von einer Ungenauigkeit von ca. 5% nach unten bei der Entfernung. Bei mir wird dieselbe Strecke immer mit einer Entfernung zwischen 23.01km und 23.12km gemessen (entspricht Ungenauigkeit von ca. 0,5%). Für mich ist im Wesentlichen ein Vergleich meiner Aufzeichnungen untereinander entscheidend (… und die sind ausreichend „gleich“) und einen absoluten Fehler von 5% kann bzw. könnte ich verkraften.
  • Akkuverbrauch
    Beispielverbrauch: Volles Handy, 2:20 Stunden radeln bei wolkenlosem Wetter, Display immer an (Tacho-Funktion), Auto-Helligkeit eingestellt, sonst keine Handy-Funktion genutzt. Nach der Fahrt verbleiben noch ca. 25% Akkukapazität.
    Sprich: nach ca. 3 Stunden Radeln ist beim Akku Ende Gelände.
    Da ist natürlich mehr als unzufriedenstellend, eine Nutzungsdauer von ca. 5 Stunden würde ich als Minimum erwarten. Aber warum ist der Akkuverbrauch so hoch? Eine genauere Analyse zeigt, dass der Akkuverbrauch sich wie folgt aufteilte:

    1. 70% Display
    2. 20% Runtastic
    3. 10% System

    Runtastic ist somit gar nicht der böse Bube, sondern die Anzeige. Ist auch logisch: Das Handy ist nicht dafür konzipiert, das das Display immer an ist, bzw. das Display ist der größte Stromfresser.
    Was tun? Wenn Ihr eine Nachlademöglichkeit während der Fahrt habt (Licht mit USB, Power-Pack, Ersatzakku), ist das sowieso kein Thema. Ansonsten könnt Ihr die Displayhelligkeit auf ein Minimum runterschrauben. Bei Sonnenschein könnt Ihr dann den Tacho zwar noch erkennen, aber Karten sind dann nicht mehr lesbar und auch jede Handy-Bedienung ist sehr schwierig. Alternativ könnt Ihr bei langen Touren zwischendurch mal den Bildschirm ausschalten. Ist nicht viel? Stimmt, aber was Besseres fällt mir auch nicht ein. Damit kann ich 5 Stunden erreichen. Mehr wird schwierig.
    Wie sich die Verhältnisse bei anderen Devices darstellen, kann ich nur schwer beurteilen. Allerdings ist zu bedenken, dass das Nexus 4 nicht als Kraftprotz bei der Akkuleistung verschrien ist; Somit dürften die meisten Devices besser dastehen.

  • Mobiler Datenverbrauch
    ca. 5MB pro Stunde (ohne Offline-Karten). Auch mit Offline-Karten zieht die App ca. 1MB in der Stunde (allerdings incl. Hochladen der gefahrenen Daten auf die Runtastic-Server).
  • Satellitendarstellung
    Werden immer nachgeladen, können nicht offline gespeichert werden. Also Anzeige nicht aktivieren, wenn Ihr Datenvolumen sparen wollt/müsst. Die Satellitenkarten machen auch während der Fahrt nur bedingt Sinn, da dort die Straßenführungen nur sehr schwer zu erkennen sind.
  • Routenfunktion
    Hört sich ja erst mal super-Klasse an. Vorstellung: Mein Kumpel gibt mir irgendwie seine Lieblingsroute, die fahre ich dann bei schönstem Wetter ab, und da ich ja Runtastic habe, kann ich mich nie verfahren, weil immer wenn ich falsch fahre, schreit mein Handy und es und blinkt und kratzt usw…
    Leider sieht die reale Welt ein wenig anders aus.
    1.) Routen erstellen
    Routen kann man nur über die Runtastic-Webseite erstellen. Man braucht somit auf jeden Fall mal ein Login bei den Burschen und muss mal wieder ein Teil seiner Identität preisgeben. Routen können auch mit gpx-Dateien erstellt werden. Allerdings werden keine Touren (z.B. einzelne Tagesetappen) und Streckenkommentare (z.B. Gasthäuser/Unterkünfte) verwaltet.
    Eine Route muss man etwas umständlich erstellen: Erst mal ein Aktivität erstellen (und dort auch z.B. die gpx-Datei importieren). Sie wird dann für ein irgendwie geartetes Datum, von dem ich nicht weiss wie es zustande kommt, abgelegt. Danach kann man aus der Aktivität eine Route erstellen. Zu guter Letzt muss man die Aktivität wieder löschen.
    Umständlich, aber es geht. Die Routen werden dann automatisch mit dem Handy abgeglichen. Insgesamt OK.
    2.) Route nachfahren
    So nennen es die Jungs von Axel. Ich sag: Die pinseln einfach nur die Route in die Karte und das wars. Bei der Zeit/Kilometerberechnung lassen sie einfach die Zeit und die Kilometer beim Starten runterlaufen und bei 0km ist man dann am Ziel. Fährt man erst einmal z.B. 5km zur Route hin oder auf der Route einen Umweg, “fehlt” die entsprechende Kilometeranzahl am Ende.
    Navi-Anweisungen gibt es nicht.
    Schön ist natürlich, das ich sehe wo ich langfahren muss. Allerdings ist das beim Fahren teilweise sehr schwer zu erkennen (u.a. auch durch die Farbgebung: Eigene “Fahrspur” ist blau, ähnlich wie die Kennzeichnung größerer Straßen oder Fahrradwege: Man sieht nicht auf dem ersten Blick auf der Karte, wo man ist, sondern muss seine Position erst mal suchen). Des Weiteren kann man durch die Nordausrichtung der Karte schnell die Orientierung verlieren und nicht wissen, ob man nun an der nächsten Kreuzung nun links oder rechts abbiegen muss.
    Ich hatte mir – ehrlich gesagt – eine “richtige” Funktion erhofft und nicht so was. Positiv: Den Jungs von Axel geht die Arbeit nicht aus und sie haben noch viel Luft nach oben…
    Weiterer Punkt: Gefühlt wird der Akku beim Abfahren einer Route wesentlich schneller leer.
  • www.runtastic.de
    Eure Aufzeichnungen könnt Ihr auf die Runtastic-Server hochladen. Dort stehen dann einige Analysefunktionen zur Verfügung. Die Tour kann auch nachträglich bearbeitet werden. Aus einer Tour läßt sich auch eine Route erstellen. Ganz nett.

Das missfällt mir:

  • Abschalten der Datenverbindung/Karten nachladen
    Runtastic bietet keine Möglichkeit, das Nachladen von Kartendaten zu unterbinden. Befindet sich die Karte nicht als Offline-Karte auf dem Gerät, so wird sie bei Bedarf immer wieder nachgeladen. Fahrt ihr z.B. morgens zur Arbeit und abends wieder heim, wird dieselbe Karte zweimal aus dem Netz bezogen. Macht Ihr das einen Monat lang, kommt ganz schön was zusammen. Auch im Ausland könnt ihr nicht verhindern, dass Kartendaten aus dem Internet bezogen werden. Einzige Möglichkeiten: Offline-Karte bereitstellen (und selbst da zuckeln noch ein paar Bits über die Datenverbindung) oder mobile Datenverbindung abschalten.
    Ich habe ein gerootetes Nexus und kann über die Firewall die 3G-Verbindung nur für Runtastic sperren; Für mich erfüllt das seinen Zweck. In diesem Fall werden allerdings der Aufzeichnung keine Wetterdaten zugeordnet.
  • Verwaltung der Offline-Karten
    Leider gibt es keine Möglichkeit die Offline-Karten zu verwalten. Man kann nicht sehen, wieviel und welche Kartenausschnitte man runtergeladen hat. Man kann es nur „herausexperimentieren“: Datenverbindung abschalten (WLan und 3G) und dann in die Karte gehen. Wenn etwas nicht dargestellt wird, ist dafür keine Offline-Karte vorhanden. Auch ein hoher Verbrauch beim Datenvolumen der App ist ein Anzeichen dafür, dass keine Offline-Karten für die aktuellen Kartenausschnitte vorhanden sind und Kartendaten über die mobile Datenverbindung nachgeladen werden. Wenn Ihr nicht sicher seid, ob Ihr eine Karte schon habt könnt Ihr sie auch einfach nochmal laden: Wenn’s schnell geht, war sie schon auf dem Handy. Klasse.
    Die Offline-Karten werden übrigens nach 30 Tagen automatisch gelöscht…
    Also insgesamt leider mehr als unzufriedenstellend: Eine super Funktion super-schlecht umgesetzt.
    Allerdings muss ich auch hier eine Lanze für Runtastic brechen: Runtastic verwendet Google-Maps und damit auch deren Karten-API. Und die hatten bisher keine Verwaltung der Offline-Karten. Diese Verwaltung ist erst mit der Version 3.8.1 (ca. Mitte Juli 2014) eingeführt worden. Dort kann man nun Karten benennen und sich die Liste der Offline-Karten anschauen. Leider sind da momentan die Runtastic-Karten nicht mit dabei. Ich vermute, das Runtastic auf die neue API von google angepasst werden müßte, dann sollte es gehen. Also mal hurtig, Axel-Jungs: ich warte auf den nächsten Evolutionsschritt!
  • Designeinstellung
    Es existiert keine Möglichkeit, das Design der Anzeige anzupassen. Speziell die Farben würde ich gerne umstellen, da sie in Weiß gehalten sind (= hoher Akkuverbrauch) und ich mir durch ein anderes Farbschema eine Energieeinsparung erhoffe. Vielleicht führt ein anderes Farbschema auch zu keiner Energieeinsparung; In diesem Fall passt das aktuelle Design für mich.
  • Kartenausrichtung immer nach Norden
    Hört sich doof an, aber stört mich mittlerweile ungemein. Ich bin anscheinend einfach nur blöd: Ich raffe immer nicht, ob’s jetzt nach links oder rechts geht (vor allem wenn ich nicht weiss wo Norden ist), hier käme mir eine Ausrichtung in Fahrtrichtung sehr entgegen.

Fazit: Grundsätzlich bin ich sehr zufrieden mit der App. Bei den Nachteilen (Akkuverbrauch/Datenverbrauch der Kartennutzung) werde ich versuchen, einen für mich gangbaren Weg zu finden. Bei der Funktionalität erwarte ich in der nächsten Zeit noch einige Verbesserung vom Hersteller (was allerdings ein Novum wäre: Die Software ist doch ehr recht “evolutionär”), ansonsten werden sie wohl bald von anderen Herstellern überholt und auch ich werde mich dann wohl für das beste Produkt entscheiden.

Update 03/2016: Seit mittlerweile ca. 1/2 Jahr nutze ich die App nicht mehr. Statt dessen ist bei mir IpBike im Einsatz.

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